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Entführung (Gefahren unterwegs)

Beinahe tägliche Entführungen mit abschliessende Ermordungen der Entführten haben während der Irak-Affaire die Medien weltweit gefüllt. Videos der Hinrichtungen im Internet und den Nachrichten haben uns die Frage der Sicherheit wieder in den Vordergrund gerückt. Um die entführten Opfer handelt es sich dabei hauptsächlich nicht um Touristen oder Durchreisende sondern um Personen von Hilfsorganisationen, Aufbauhelfer, Geschäftsleute und teilweise auch Angehörige des Militärs.

Betroffen sind Menschen aller Nationalitäten, auch eigene Landsleute, denn die Terroristen wollen häufig den Abzug der ausländischen Organisationen und Streitmächte, oder die Verhinderung der Normalisierung beispielsweise durch Wahlen, erreichen - die Entführer sind in Irak also Terroristen. Bei der Ermordung der entführten Geiseln gehen die Terroristen äusserst brutal vor, die Opfer haben keine Chance auf eine diplomatische Lösung, denn bislang waren die Forderungen von politischer Natur nicht akzeptabel. Bei der Ermordung der entführten Opfern wurden vor laufenden Kameras deren Köpfe mit Messern vom Körper vollständig abgetrennt.

Entführung und Geiselnahmen

Entführungen und Geiselnahmen existierten schon lange vor der Irak-Affaire, Entführer haben zu allen Zeiten versucht, politische Gegner unter Druck zu setzen um Forderungen zu erzwingen. Ein häufiges Motiv ist auch die persönliche Bereicherung. Kinder, Frauen, Familienmitglieder oder wichtige Personen der Wirtschaft wurden entführt um Lösegelder zu erpressen, sogar Haustiere werden von einer Entführung nicht verschont. Die finanziellen Forderungen werden an die Familie, den Konzern oder gleich an die Vertreter der Herkunftsnation gerichtet. Klassische Beweise der erfolgreichen Entführung wie etwa Fotografien oder Filmaufnahmen vom Opfer zusammen mit der aktuellen Tageszeitung sollen die Entschlossenheit und Glaubhaftigkeit der Entführer untermauern. Manchmal werden Tonaufnahmen oder telefonischer Kontakt mit dem Entführten für den gleichen Zweck verwendet.

Dunkelziffer der Entführung

Zu vermuten ist, dass die Dunkelziffer rund zehn mal so hoch ist als die Zahlen aus den Medien, unter anderem weil manche Entfürungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, finanziell geregelt, oder auch durch Eliteeinheiten mit Waffeneinsatz ganz undiplomatisch beendet werden. Bei den beliebten Entführungs-Opfern aus der Energie- und Ölbranche, Anlagenbau und andere Grossprojekte, dürfte das zumindest der Fall sein. Diese Opfer entsprechen häufig ein auffälliges Persönlichkeitsbild, sei es durch Präsentation in den Medien oder Auftritte vor Ort, mit offenkundig geregelten Lebensgewohnheiten. Ist den Entführern die Höhe der möglichen Lösegeldforderung nicht bereits vor der Entführung klar, wird das Opfer hierüber später ausgefragt.

Entführung in Krisengegenden

Mitarbeiter von Hilfsorganisationen wie Ärzte, Ordensschwestern oder Journalisten sind in Krisengebieten weltweit der Gefahr einer Entführung ausgesetzt. In solchen Krisengegenden sind Verschleppung auch ohne weitere Forderungen, für Touristen eine ernsthafte Bedrohung. Politisch instabile Länder und die Hauptwirtschafts-Gegende der Drogenindustrie sollte wegen der ebenfalls hohen Risiken einer Entführung kein Reiseziel für Touristen sein.

Entführung von Kindern bei Ausnahmezuständen

Die jüngste Tsunami-Katastrophe in Asien brachte Kindesentführungen an das Licht der Öffentlichkeit. Für diese Kinder besteht praktisch keine Hoffnung auf Rettung, denn sie werden nicht zur Erpressung von Lösegeldern entführt, sondern in den Menschenhandel weiter verkauft. Ausländische Kinder in Asien verschwinden in den dunklen Kanälen der sexuellen Ausbeutung und haben vermutlich keine hohe Lebenserwartung durch ihr auffallendes Äusseres. Entführte einheimische Kinder wurden kurz später zur Adoption angeboten. Es handelt sich dabei nicht nur um verwaiste Kinder, vermeintliche Waisenkinder wurden im Chaos offensichtlich von herangereisten Geschäftsleuten entführt oder auch angekauft, Bestechung von Aufsichtspersonal dürfte ebenfalls im Spiel gewesen sein.

Entführung nach Clichees

Der Ablauf einer Entführung hat Schule. Die Clichees einer hektischen Entführergruppe, die ein ahnungsloses Opfer in ein Fahrzeug zerrt, fesselt, knebelt, Haube aufsetzt, die Augen verbindet oder zuklebt und bei Wiederstand zusammenschlägt, durch Chloroform oder Spritzen betäubt, gleicht sich weltweit. Die Entführungs-Opfer werden in abgelegene Gegende gebracht wo Nachbarn oder Augenzeugen das Hantieren mit den Geiseln nicht beobachten können. Die Opfer werden unter Umständen verhört, die Forderungen werden gestellt, und wenn es länger dauert, manchmal auch ein Finger oder ein Ohr des Opfers abgeschnitten und zum Nachdruck den Forderungen hinterher geschickt. Die Chancen eines Opfers nach erfolgreicher Transaktion der Forderungen heil nach Hause zu kehren stehen nicht besser als 1:2. Statistisch sind etwa ein Drittel der Befreiungsaktionen vor den Lösegeldzahlungen erfolgreich, bei anderen Versuchen sterben die Entführungs-Opfer während der Befreiung. Neben der Befreiung während einer Rettungsaktion, bringt diese also auch das grösste Risiko für das Opfer getötet zu werden. Durch Aufgabe ihres Vorhabens oder Verhandlungen mit speziellen Unterhändlern, werden in der Regel etwa ein Zehntel der Entführten, ohne Zahlung der Forderungen freibekommen.

Einige Zahlen zu Entführung

Nach verschiedenen Angaben produziert die Entführungsindustrie jährlich etwa 200 Mio US$ Einnahmen. In Südamerika ist das Risiko mit etwa 6000 Entführungen weltweit am grössten. Kolumbien trägt den Löwenanteil von ca 4000 bekannten Fällen, wovon über die Hälfte nicht von Rebellen durchgeführt wird, dass bei misslungene Lösegeldforderungen die Angehörigen der Opfer umgebracht werden, unterstreicht wohl, dass hier die Verhandlungsbedingungen auch am widrigsten sind. Brasilien bringt etwa 800 Entführungen im Jahr, vorzugsweise schnelle Geschäfte, davon mehr als 100 in Rio de Janeiro. Ecuador und Venezuela stehen jährlich zusammen für ca 200 Entführungen, Venezolaner fordern vergleichsweise wenige Lösegeld, dafür entführen sie in erster Reihe Kinder. Die zehn Guerillagruppen in Honduras sorgen für 120 Entführungen jährlich. Ca 100 Menschen werden jeweils in Guatemala und Peru entführt, in Guatemala meist Kinder reicher Familien, ausländische Manager oder Technologieträger, Peruaner drängen auf schnelle Geldübergabe.

Die relativ hohen Lösegeldforderungen in Mexiko mit über 2000 Entführungen jährlich, und einer durchschnittlichen Lösegeldforderung von etwa 5000 US$ stehen etwas im Gegensatz zu den 200 überwiegend Kindesentführungen mit mageren Forderungen auf den Philippinen, wo ein zehntel der Opfer trotz erfolgter Lösegeldübergabe nur noch tot aufgefunden werden. Komplizierteste Verhandlungen finden in Tschetschenien, Jemen und Tajikistan statt, in den beiden letzteren Ländern gelten eigentlich nur politische Forderungen.